Mein Sprachzentrum funkt mal wieder querbeet trilingual durch die Gegend während die andere Hirnhälfte noch Musik spielt. Mittendrin packe ich meinen Rucksack. Oder besser meine beiden Rucksäcke, da ich den kleinen mit als Gepäck aufgeben werde. Mir ist etwas chaotisch zu Mute.
Seit ich der Welt mitgeteilt habe, dass ich nächste Woche zurück komme (also Montevideo und Deutschland, dem Rest war es wohl auch eher egal). Ist ständig irgendwie was los.
Alles fing damit an, dass mir meine Mitbewohnerin Montag abend erzählte, dass Mittwoch nachmittag ein Musikfestival stattfinde, wo auch Manu Chao auftritt. Also habe ich mir Dienstag eine Karte dafür besorgt und bin dann mit ihr und ein paar ihrer Freundinnen dort hingegangen. Angefangen hatte es so gegen 17h, wir waren wahrscheinlich um 19h dort. Bei schöner Abendsonne saßen wir unter freiem Himmel auf der vertrockneten Grasfläche inmitten einer alten Radrennbahn. An deren Seite war eine große Bühne mit zwei großen Leinwänden an beiden Seiten aufgebaut. Das erste, was mir dort akustisch war eine sogenannte Murga, eine Musikform, die eigentlich aus dem uruguayischen Karneval stammt. Darauf folgte die sehr bekannte uruguayische Rockband La Vela Puerca und zum Schluss spielte noch Manu Chao. Es war ziemlich großartig und ich hatte echt viel Spaß bis spät in die Nacht.
Tags darauf hatte ich allerdings Guardia und und musste leicht übermüdet von 8 bis knapp 21h in der Klinik sein. Aber wer Spaß haben kann, kann eben auch arbeiten und das war es definitiv wert.
[medizinische Nebenbemerkung: ich hab Donnerstag dann auch einen Kaiserschnitt mitgemacht mit Uterusatonie und kenne jetzt aus erster Hand die verschiedenen Methoden dagegen anzugehen. Aber es ist schon frustrierend wenn bei jeder Übernähung die Einstichstellen der Naht gleich die nächsten Blutungsquellen werden...]
Freitag habe ich ziemlich viel Zeit mit Spazieren durch verschiedene Teile der Stadt verbracht und nebenbei zwei völlig überteuerte Bücher und einen Matebecher erworben. Als ich abends nach Hause kam und ich eigentlich anfangen wollte meinen Rucksack zu packen für meine Rückreise (um endlich mal mehr als eine sehr knappe Stunde zum Packen zu haben, was vor internationalen Flügen in letzter Zeit immer meine unbeabsichtigte Packzeit war), fand ich aber eine Nachricht einer Freundin, ob ich mit nach Punta del Diablo kommen wolle über das Wochenende. Bis spät nachts wurde noch geplant und koordiniert und überlegt und ich wurde in regelmäßigen Abständen über die sich ständig ändernden Pläne informiert. Samstag früh ging das organisatorische Chaos weiter, aber letzten Endes haben wir es geschafft uns zu fünft aus verschiedenen Ecken der Stadt zu einer Autovermietung außerhalb Montevideos zu koordinieren (und das obwohl ich gerade kein funktionsfähiges Handy mehr habe) und um 9:30h begannen wir einen wunderbareren Wochenendausflug in ein kleines Paradies an der norduruguayischen Küste. Wir, das war eine kunterbunte Mischung von Menschen, die sich größtenteils zuvor nie gesehen hatten. Eine 18jährige deutsche Au-Pair, eine 22jährige amerikanische Englischlehrerin/Schriftstellerin, ein 20jähriger jüdisch-kolumbianischer Amerikaner mit polnisch-lithauischen Wurzeln, ein 43jähriger viel gereister Praktikant in der amerikanischen Botschaft und ich. Aber gerade diese ungewöhnliche Mischung hat eine großartige Gruppe ergeben. Wir hatten alle unglaublich viel Spaß - sowohl auf den 4,5stündigen Autofahrten - als auch vor Ort, an meinem neuen Lieblingsort dieses Landes: Punta del Diablo.
In diesen letzten 36 Stunden haben wie Geschichten erzählt. Aus unseren Leben und denen unserer Freunde und Bekannten. Die Geschichten spielen auf verschiedenen Kontinenten zu verschiedenen Zeiten. Es gab Ballspielende Kinder in Uganda, psychiatrische Probleme in Washington DC, Liebe in Tel Aviv, Polizei in Katalonien, Vergewaltigung in Ghana, eine Begegnung mit Quentin Tarrantino in Madrid, Alkohol, Lug und Betrug und Leid und Freude. Irgendwie eben ein Querschnitt durch das Leben von fünf Menschen, die sich zufällig in einem Auto in einem kleinen südamerikanischen Land zusammen befanden.
Manchmal fühlte es sich auch ein wenig wie ein Familienausflug an, wenn Opa auf dem Beifahrersitz den Kindern auf der Rückbank Kekse und Äpfel anbietet. Die Kindern kichern und lärmen und quengeln und nölen. Und fragen wie weit es noch ist. Mama fährt das Auto und lässt sich von Opa, der die Karte in der Hand hat, ab und zu den Weg erklären. (Was dabei meine Rolle war müsste sich jeder der mich gut genug kennt eigentlich ausrechnen können...).
Es ist erstaunlich wie wenig Zeit an diesem Ort schon ausreicht, um einen in einen Zustand tiefer Entspannung zu versetzen. Schon bei Anblick unserer Hostels im Sonnenschein hatte der Stress der letzten Zeit in Montevideo schon beinahe meinen Körper verlassen. Das rote zweistöckige Haus mit den großen Fenstern leuchtet in der Nachmittagssonne. Die Hängematten hängen verlassen im Halbschatten. Auf der Veranda sitzt jemand und spielt leise Gitarre. Die Sonnenstrahlen auf der Haut erzeugen ein wohliges Gefühl, der Südatlantik bricht sich an denn riesigen abgerundeten Felsen, es riecht salzig und ein wenig klebrig nach Meer. Die ungeteerten Straßen lassen die Flipflops bald staubig werden. Die leichte angenehme Brise spielt mit meinem Sommerkleid. Die Luft ist weder zu warm, noch zu kalt. Ich schwitze nicht. Mir ist nicht kalt. Durch die Sonnenbrille sind die bunt angemalten Häuser noch farbintensiver. Die Wellen rauschen, ansonsten ist es still. Kaum Autos. Die Häuser in der Umgebung sind klein und einladend. In jeder dieser sehr einfachen Cabañas könnte man sich vorstellen ein paar Wochen zu verbringen.
Mi paraiso. Mein Paradies.
Auch ein paar Stunden nach der Rückkehr atme ich noch ruhiger und tiefer als sonst. Haut und Haare riechen auch nach dem Duschen noch nach Sonne. Immerhin der Sand ist aus den Klamotten raus. Und aus den Haaren. Ich fühl mich heute so "Tag am Meer". Deswegen jetzt zum Reinhören:
Da ich zu einem Strandwochenende meine gute Kamera nicht mitgenommen habe,
gibts es jetzt nur Fotos in Handyqualität
aus Punta del Diablo in Rocha, Uruguay
aus Punta del Diablo in Rocha, Uruguay
Hostelveranda und Mitreisende
"Nuestro Norte es el Sur"
Unser Norden ist der Süden. Verdrehtes korrigiertes Weltbild
aus Perspektive der südlichen Hemisphäre
Simplicity
"El Diablo Tranquilo"
Uruguay. Mit Flagge.
War lecker. Also nicht die Wand. Aber die Gnocchis.
Strand. Boot. Schön.
Könnte auch Ostfriesland sein?
Sommersilja
Himmel und Erde
Strandentspannung
Wir. Zumindest zwei davon.
Cloud with a silver lining
Sandwüste?
Nach 15 Minuten über die Dünen und Felsen wandern
liegt angrenzend den Nationalpark Santa Teresa:
Playa Grande
liegt angrenzend den Nationalpark Santa Teresa:
Playa Grande
Ein Ort wo ich das Teleobjektiv meiner Spiegelreflex vermisst habe.
Wilde Wellen an großen Felsen.
Rückweg von Playa Grande












































