Montag, 26. November 2012

Mehr Musik, Mehr Manu, Mehr Meer

Manchmal wird alles so chaotisch, dass auch Freizeit beginnt in Stress auszuarten.
Mein Sprachzentrum funkt mal wieder querbeet trilingual durch die Gegend während die andere Hirnhälfte noch Musik spielt. Mittendrin packe ich meinen Rucksack. Oder besser meine beiden Rucksäcke, da ich den kleinen mit als Gepäck aufgeben werde. Mir ist etwas chaotisch zu Mute.
Seit ich der Welt mitgeteilt habe, dass ich nächste Woche zurück komme (also Montevideo und Deutschland, dem Rest war es wohl auch eher egal). Ist ständig irgendwie was los.
Alles fing damit an, dass mir meine Mitbewohnerin Montag abend erzählte, dass Mittwoch nachmittag ein Musikfestival stattfinde, wo auch Manu Chao auftritt. Also habe ich mir Dienstag eine Karte dafür besorgt und bin dann mit ihr und ein paar ihrer Freundinnen dort hingegangen. Angefangen hatte es so gegen 17h, wir waren wahrscheinlich um 19h dort. Bei schöner Abendsonne saßen wir unter freiem Himmel auf der vertrockneten Grasfläche inmitten einer alten Radrennbahn. An deren Seite war eine große Bühne mit zwei großen Leinwänden an beiden Seiten aufgebaut. Das erste, was mir dort akustisch war eine sogenannte Murga, eine Musikform, die eigentlich aus dem uruguayischen Karneval stammt. Darauf folgte die sehr bekannte uruguayische Rockband La Vela Puerca und zum Schluss spielte noch Manu Chao. Es war ziemlich großartig und ich hatte echt viel Spaß bis spät in die Nacht.
Tags darauf hatte ich allerdings Guardia und und musste leicht übermüdet von 8 bis knapp 21h in der Klinik sein. Aber wer Spaß haben kann, kann eben auch arbeiten und das war es definitiv wert.
[medizinische Nebenbemerkung: ich hab Donnerstag dann auch einen Kaiserschnitt mitgemacht mit Uterusatonie und kenne jetzt aus erster Hand die verschiedenen Methoden dagegen anzugehen. Aber es ist schon frustrierend wenn bei jeder Übernähung die Einstichstellen der Naht gleich die nächsten Blutungsquellen werden...]

Freitag habe ich ziemlich viel Zeit mit Spazieren durch verschiedene Teile der Stadt verbracht und nebenbei zwei völlig überteuerte Bücher und einen Matebecher erworben. Als ich abends nach Hause kam und ich eigentlich anfangen wollte meinen Rucksack zu packen für meine Rückreise (um endlich mal mehr als eine sehr knappe Stunde zum Packen zu haben, was vor internationalen Flügen in letzter Zeit immer meine unbeabsichtigte Packzeit war), fand ich aber eine Nachricht einer Freundin, ob ich mit nach Punta del Diablo kommen wolle über das Wochenende. Bis spät nachts wurde noch geplant und koordiniert und überlegt und ich wurde in regelmäßigen Abständen über die sich ständig ändernden Pläne informiert. Samstag früh ging das organisatorische Chaos weiter, aber letzten Endes haben wir es geschafft uns zu fünft aus verschiedenen Ecken der Stadt zu einer Autovermietung außerhalb Montevideos zu koordinieren (und das obwohl ich gerade kein funktionsfähiges Handy mehr habe) und um 9:30h begannen wir einen wunderbareren Wochenendausflug in ein kleines Paradies an der norduruguayischen Küste. Wir, das war eine kunterbunte Mischung von Menschen, die sich größtenteils zuvor nie gesehen hatten. Eine 18jährige deutsche Au-Pair, eine 22jährige amerikanische Englischlehrerin/Schriftstellerin, ein 20jähriger jüdisch-kolumbianischer Amerikaner mit polnisch-lithauischen Wurzeln, ein 43jähriger viel gereister Praktikant in der amerikanischen Botschaft und ich. Aber gerade diese ungewöhnliche Mischung hat eine großartige Gruppe ergeben. Wir hatten alle unglaublich viel Spaß - sowohl auf den 4,5stündigen Autofahrten - als auch vor Ort, an meinem neuen Lieblingsort dieses Landes: Punta del Diablo.
In diesen letzten 36 Stunden haben wie Geschichten erzählt. Aus unseren Leben und denen unserer Freunde und Bekannten. Die Geschichten spielen auf verschiedenen Kontinenten zu verschiedenen Zeiten. Es gab Ballspielende Kinder in Uganda, psychiatrische Probleme in Washington DC, Liebe in Tel Aviv, Polizei in Katalonien, Vergewaltigung in Ghana, eine Begegnung mit Quentin Tarrantino in Madrid, Alkohol, Lug und Betrug und Leid und Freude. Irgendwie eben ein Querschnitt durch das Leben von fünf Menschen, die sich zufällig in einem Auto in einem kleinen südamerikanischen Land zusammen befanden.
Manchmal fühlte es sich auch ein wenig wie ein Familienausflug an, wenn Opa auf dem Beifahrersitz den Kindern auf der Rückbank Kekse und Äpfel anbietet. Die Kindern kichern und lärmen und quengeln und nölen. Und fragen wie weit es noch ist. Mama fährt das Auto und lässt sich von Opa, der die Karte in der Hand hat, ab und zu den Weg erklären. (Was dabei meine Rolle war müsste sich jeder der mich gut genug kennt eigentlich ausrechnen können...).
Es ist erstaunlich wie wenig Zeit an diesem Ort schon ausreicht, um einen in einen Zustand tiefer Entspannung zu versetzen. Schon bei Anblick unserer Hostels im Sonnenschein hatte der Stress der letzten Zeit in Montevideo schon beinahe meinen Körper verlassen. Das rote zweistöckige Haus mit den großen Fenstern leuchtet in der Nachmittagssonne. Die Hängematten hängen verlassen im Halbschatten. Auf der Veranda sitzt jemand und spielt leise Gitarre. Die Sonnenstrahlen auf der Haut erzeugen ein wohliges Gefühl, der Südatlantik bricht sich an denn riesigen abgerundeten Felsen, es riecht salzig und ein wenig klebrig nach Meer. Die ungeteerten Straßen lassen die Flipflops bald staubig werden. Die leichte angenehme Brise spielt mit meinem Sommerkleid. Die Luft ist weder zu warm, noch zu kalt. Ich schwitze nicht. Mir ist nicht kalt. Durch die Sonnenbrille sind die bunt angemalten Häuser noch farbintensiver. Die Wellen rauschen, ansonsten ist es still. Kaum Autos. Die Häuser in der Umgebung sind klein und einladend. In jeder dieser sehr einfachen Cabañas könnte man sich vorstellen ein paar Wochen zu verbringen.
Mi paraiso. Mein Paradies.

Auch ein paar Stunden nach der Rückkehr atme ich noch ruhiger und tiefer als sonst. Haut und Haare riechen auch nach dem Duschen noch nach Sonne. Immerhin der Sand ist aus den Klamotten raus. Und aus den Haaren. Ich fühl mich heute so "Tag am Meer". Deswegen jetzt zum Reinhören:



Da ich zu einem Strandwochenende meine gute Kamera nicht mitgenommen habe, 
gibts es jetzt nur Fotos in Handyqualität 
aus Punta del Diablo in Rocha, Uruguay


Hostelveranda und Mitreisende


"Nuestro Norte es el Sur"
Unser Norden ist der Süden. Verdrehtes korrigiertes Weltbild 
aus Perspektive der südlichen Hemisphäre


Simplicity


"El Diablo Tranquilo"


Uruguay. Mit Flagge.


War lecker. Also nicht die Wand. Aber die Gnocchis.


Strand. Boot. Schön.


Könnte auch Ostfriesland sein?


Sommersilja


Himmel und Erde


Strandentspannung


Wir. Zumindest zwei davon.


Cloud with a silver lining


Sandwüste?


Nach 15 Minuten über die Dünen und Felsen wandern
liegt angrenzend den Nationalpark Santa Teresa: 
Playa Grande


Ein Ort wo ich das Teleobjektiv meiner Spiegelreflex vermisst habe.
Wilde Wellen an großen Felsen.
Rückweg von Playa Grande

Dienstag, 20. November 2012

Jetzt mal ehrlich

Ehrlichkeit ist keine einfach Sache. Es gab mal Leute, die versucht haben in der Fastenzeit auf das alltägliche Lügen zu verzichten. Das Resultat war, dass sie zu Ostern kaum noch Freunde hatten. Wir alle brauchen unsere kleinen Alltagslügen. Manche davon wegen sozialnotwendiger Nettigkeiten , manche aus Bequemlichkeit, manche zum Selbstschutz.

Die schwierigste Form der Ehrlichkeit ist die zu sich selbst. Es ist viel einfacher zu sagen dass es einem gut geht. Das wird schließlich von einem erwartet wenn man sich im Ausland rumtreibt. Noch dazu im Sommer. In einer Stadt mit Strand. Aber erstaundlicherweise reicht das auch nicht zum glücklich sein. Und auch wenn man schließlich glücklich zu sein hat wenn man schon in die Welt hinausgeht, wenn ich mal ganz ehrlich zu mir bin, ist es eben nicht so wie es sein sollte. Und es sind nicht nur die kleinen Sachen, die einen schonmal einen Tag lang stören können. Regen, Bürokratieärger, laute Nachbarn. Es sind eher die generellen Dinge, die irgendwie nicht stimmen. Sozialleben ist so eine Sache. Vielleicht bin ich da auch unverhältnismäßig Villigstverwöhnt, aber ich finde hier einfach nicht die Leute für die passenden Aktivitäten. Oder auch nur halbwegs intelligente Gespräche. Oder auch völlig niveaulose Gespräche. Hauptsache es geht nicht um Patienten oder Dienstpläne.

Irgendwann beginnt man sich eben zu fragen wann es einem reicht und man etwas verändern sollte. Dinge sind eben nicht schwarzweiss. Und hier ist auch nicht immer nur alles schlecht. Aber wann ist der Grenzwert erreicht? Wieviel ist genug und wieviel ist zu viel? Und wann in der Kosten-Nutzen-Rechnung, kommt einfach nicht mehr genug positives heraus?
Ich halte mich eigentlich nicht für Jemanden, der leichtfertig aufgibt. Aber ich frage mich inzwischen was ich davon habe noch länger hier zu bleiben. Und so habe ich den Entschluss gefasst, dass es für mich genug Montevideo war und nun ist damit Schluss. Basta. Genug.

So komme ich nun schon früher als geplant zurück und verbringe die zweite Tertialhälfte dann wieder in Heidelberg. Bis bald. In echt dann.

Freitag, 16. November 2012

Krankenhaustiere // KaffeeWLANKreuzen

Mein Krankenhaus hat Haustieren. Also praktisch Krankenhaustieren. Optisch noch nicht bestätigt aber akustisch eindeutig anwesend. Von der abgehängten Zwischendecke hört man sehr regelmäßig kleine trippelnde Geräusche. Meine Vermutung für die Ursache sind kleine Nagetiere, aber überprüfen möchte ich das auch ehrlich gesagt lieber nicht. Ansonsten habe ich bisher gesichtet: eine Spinne auf meiner Kittelschulter (nicht riesig, aber auch nicht so winzig, dass ich sie da hätte sitzen lassen können), eine Kakerlake auf dem Flur vor einigen Wochen und natürlich unser aller Liebling im Arztzimmer: der Schimmelpilz. Der fühlt sich da ja auch pudelwohl. Hier ist er nochmal zum Bewundern:

Schimmelpilz@Arztzimmer


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Meine Nachmittage verbringe ich aktuell mit der wunderbaren Kombination aus Kaffee in Cafe mit WLAN, meinem Netbook und online Kreuzen. Das klingt ganz schön produktiv und es auch halbwegs. Ich bezweifel noch, dass ich das längerfristig täglich durchhalte, aber das wird sich zeigen. Die Cafes hab ich übrigens über meine Mitbewohnerin gefunden, die sich mal umgehört hat nachdem ich mich beklagt hatte, dass es sowas in Montevideo nicht gibt. Die gute Nachricht: es gibt schon ein paar. Die schlechte Nachricht: der Kaffee ist trotz allem allenfalls ganz okay und keins ist so nah, dass ich dort hin laufen könnte...
Seit ich lernend in montevideanischen Cafes sitze gehts mir insgesamt auch irgendwie besser. Diese Tatsache gibt mir zu denken. Mit LERNEN fühlst du dich besser? Echt jetzt?!? Ich schiebe das einfach mal darauf, dass es immer besser ist unter Leuten zu sein als im eigenen Zimmer, dass Kaffeetrinken generell mein Befinden verbessert und man so wenigstens behaupten kann irgendwas geschafft zu haben am Tag (wenn schon das morgendliche PJ eher mäßig produktiv ist). Aber das beweist auch einfach mal wieder, dass Nichtstun - so sehr ich das mir in stressigen Zeiten auch herbei wünsche - auf Dauer nicht gut für mich ist.
Und keine Sorge, allerspätestens im Februar/März dürft ihr euch wieder mein Gejammer über das Lernen und das Kreuzen und die doofe Medizin anhören. Das garantiere ich euch.

Lernzeugs@Cafe Martinez



P.S. Ich fühle mich gerade so Heidi@UB 
und vermisse meine SMS Flatrate mit euch beiden!!
Ihr wisst schon, dass ihr damit gemeint seit.

Donnerstag, 15. November 2012

Sommer

7.11.2012
Lieber Sommer,

herzlich willkommen bei uns in Montevideo. Schön, dass du da bist.
Zugegebenermaßen kommst du etwas zu spät. Aber wir freuen uns, dass du es überhaupt hast einrichten können vorbeizuschauen. Leider gab es da ein paar organisatorische Probleme in der Zeit vor deiner Ankunft. Dein Vorgänger, der Frühling, ist nicht zur Arbeit erschienen und hat auch nicht Bescheid gegeben, sodass wir hätten einen Ersatz organisieren können (wobei die Anzahl verfügbarer Kollegen ja ohnehin eher reduziert ist). Nunja, in der Not blieb eben einfach der Vorgänger des Frühlings, der Winter, ein wenig länger. Ein etwas problematischer Geselle. Wenn er arbeitet ist es immer so dunkel, kalt und nass. Die Hausbewohner beschweren sich dann immer und wir von der der Hausverwaltung haben alle Hände voll zu tun mit dem Bezahlen von Heizungsrechnungen, mit Wasserschäden und mit medizinischer Versorgung bei Erkältung. Von anderen Firmen habe ich erfahren, dass der Winter sich anderswo besser benehmen soll. Man hört Wasser sei gar nicht so schlimm wenn es in fester Form herunterregnet. Aber vielleicht bezahlen die den Winter einfach besser. Anderswo scheint er überhaupt nicht benötigt zu werden, denn dort bist du ja festangestellt. Bei uns gibt das Verhalten des Kollegen Winter eigentlich immer viel Grund zur Klage, vielleicht könnten wir deine Jahresarbeitszeit ja auch etwas erweitern, wenn du es einrichten kannst? Nein? Okay, ich hatte schon befürchtet, dass du schon genug zu tun hast.
Aber zurück zum Thema. Herzlich willkommen und eine gute Arbeitssaison wünsche ich dir. Die ersten Tage haben ja schon gut funktioniert soweit und wie ich sehe bist du gleich voller Elan an die Arbeit gegangen. Wenn du noch etwas benötigen solltest, melde dich einfach. Wir sind mit Sonnenbrillen, Sonnencreme und Ventilatoren gut auf dich vorbereitet.

Mit freundlichen Grüßen
MVD@Südamerika

P.S. Als Willkommensgeschenk gibts einen Kalender von 2013. Vielleicht schaffst du es ja dann im nächsten Jahr pünktlich.



15.11.2012
Lieber Sommer,

ich verstehe ja, dass die zunächst starke Arbeitsbelastung bei Jobübernahme auch eine gewisse Reduktion in der Arbeitskraft mit sich bringt nach geraumer Zeit. Jedoch solltest du nicht vergessen, dass Pausen- und Urlaubszeiten nicht nach Belieben genommen werden sollten. Heute haben wir noch Glück und konnten den Kollegen Frühling überreden die Schicht zu übernehmen, aber solche Notfälle wie am Wochenende wo, nach dem von dir zusammengebrauten Gewitter erstmal wieder der Winter übernehmen musste, sollen nicht zur Regel werden!

Mit freundlichen Grüßen

MVD@Südamerika

Dienstag, 13. November 2012

Sturm, Museen und ein Heiliger

Am Freitag war es unfassbar schwül. Kaum hatte man sich nach dem Duschen abgetrocknet schon war man wieder nassgeschwitzt. Morgens war auch ansonsten nicht so mein Tag. Nach drei Stunden Schlaf ist man wohl nicht wirklich ausgeschlafen. Wie es dazu kam ist eine andere Geschichte und die soll ein andermal erzählt werden*. Merkwürdigerweise waren wir in der Klinik  schon um ca 10h fertig und entsprechend unerwartet früh war ich dann auch schon zu Hause. So kam es dass ich viel Zeit für spontane Ideen zur Wochenendplanung hatte und ein kleiner Teil von mir hatte schon die ganze Woche mit dem Gedanken gespielt nochmal nach Buenos Aires zu fahren. Denn da war am Samstag Nacht der Museen. Sowas verpasse ich ja wirklich nur ungern. Auf der anderen Seite wer fährt denn an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden in die gleiche Stadt? Richtig. Ich. Fähre gebucht, Hostel gebucht, Zimmer aufgeräumt, Sachen gepackt, Zettel geschrieben für Mitbewohnerin und auf zum Copyshop (onlineticket ausdrucken) und danach zum Busbahnhof. In den paar Stunden zu Hause hatte das Wetter sich entschieden von unfassbar schwül auf unfassbar stürmisch umzuschwenken. Die ersten Tropfen fielen als ich gerade so die Straße runter war und am Busbahnhof angekommen war mein linker Fuß völlig durchnässt (Loch in der Schuhsohle). Allerdings durfte ich dann noch eine halbe Ewigkeit dumm herumstehen, denn unser Bus fuhr dann erst eine gute Stunde später als angekündigt, da die Kollegen vom Hafen noch unsicher waren ob die Fähre bei dem Wetter überhaupt fahren könne. Als der Bus aus Montevideo abfuhr war der Himmel schwarz und es blitzte ziemlich viel. Weltuntergangsstimmung. Die größten Teile von Busfahrt und Fährenüberfahrt habe ich auch dazu genutzt meine Schlafmangel etwas zu reduzieren. Auf eine sehr novemberliche Art und Weise war es auch schön und beruhigend den Regentropfen an der Fensterscheibe zuzusehen. Etwas unangenehmer war es dann bei starkem Wind auf der dreistündigen Fährüberfahrt. Zusammenfassend kann man sagen ich wurde praktisch in den Schlaf geschaukelt. Bisweilen allerdings auch etwas unsanft. An Bord herrschte Stille abgesehen von den Getränkeflaschen der Bar, die bei größeren Wellen gewaltig klirrten. Ich weiss nicht ob es an der Dunkelheit und Abendstimmung lag oder an der vom Kapitän ausgesprochenen Empfehlung die Sitzplätze nicht zu verlassen. Letztlich ich bin sicher auf der anderen Seite des Río de la plata angekommen und konnte noch mit den Münzen vom letzten Wochenende meine Busfahrt zum Hostel bezahlen.

Samstag abend fand dann die Museumsnacht statt. Ich habe mal versucht zu zählen wie oft ich an sowas schon teilgenommen habe, kann mich aber nicht mehr so ganz erinnern. Zumindest war es in einigen verschiedenen Städten und irgendwie gab es jedes Mal spannende Geschichten und Erinnerungen. Mit Kniebandage in der Hamburger S-Bahn der Fuß hochlegen wegen einer Sportverletzung vom Vortag. In Barcelona nachts um 1h mit meiner ukrainischen Hostelbekanntschaft im Regen Schlange stehen. Schokoladeneis essen im RE nach Mannheim. Und von den Museen will ich erst gar nicht anfangen.

Buenos Aires hat ziemlich viele Museen und erstaunlicherweise habe ich es aber nicht geschafft bei allen der über 180 teilnehmenden Museen vorbeizuschauen. Aber ich hab gut 6,5 Stunden lang alles mögliche angeschaut und bin quer durch die Stadt gelaufen/gefahren. Highlights dieser Aktion: nach 40 Minuten des in Wind und Kälte auf den Bus Wartens ein Taxi mit einem Pärchen aus Buenos Aires geteilt und mir spontan auch noch das Museum angeschaut, in das die beiden wollten. In der Synagoge des jüdischen Museums ein Chorkonzert anhören. Die temporäre Ausstellung der brasilianischen Künstlerin Beatriz Milhazes im MALBA sehen und gut finden.

Am Sonntag hab ich dann schon wieder etwas Neues gelernt. Der Schutzheilige der Stadt Buenos Aires ist Sankt Martin (hier San Martín de Tours). Zu dessen Ehren gab es einen kleinen Umzug in historischen Kostümen, die die erste Sankt Martinsfeier der Stadt Buenos Aires nachempfinden sollte. Vorher gab es auf größer Leinwand die Geschichte des Stadtheiligen als Film anzuschauen. 
[Der Gute hat übrigens nach seinem Tod noch ganz schön zu tun. Buenos Aires ist schließlich nicht die einzige Stadt, die er zu beschützen hat. Wikipedia weiß zu berichten, dass auch Frankreich, die Slowakei, das Eichsfeld, das Burgenland, die Stadt Mainz plus deren Dom, die Reisenden, die Armen und Bettler, Reiter, Flüchtlinge, Gefangene, Abstinenzler und Soldaten von ihm Schutz in Anspruch nehmen. Ganz schön gefragt.]
Das war mal so eine ganz andere Art den 11.11. zu feiern. Als Kölnerin fallen mir da eher Karneval oder Laternenumzüge und Martinslieder ein, aber sowas war mir neu.



Meine Spiegelreflex hatte ich aus Bequemlichkeits- und Sicherheitsgründen diesmal nicht mit. 
Aber ein Smartphone macht ja auch ganz passable Bilder. 
Hier also Buenos Aires Teil 2

 Regen am Busfenster


 Graues Wasser. Fähre.


Ich mag lila blühende Bäume.

 
 "El Ateneo" - 
die wundervollste Buchhandlung mit Cafe von Buenos Aires. 
Oder der Welt. Da bin ich unsicher. 
Die Deckenmalerei ist hier leider nicht zu sehen.
In einem alten Theater. Auf der ehemaligen Bühne das Cafe.


Karrikatur aus dem Humormuseum.
 "Mit dir kann man nicht rausgehen, Eva. 
Du hälst an jedem Baum an, um die Blätter anzuschauen."


 Herzstück eines Wandbilds des deutschen Malers Franz Ackermann.


Casa Rosada, Sitz der Präsidentin, heute mal so richtig pink 


Ausstellung im Museum für Television über den Paraguaykrieg.


"Im Krieg verlieren wir alle..."


Aus der Ausstellung "Panamericano" 
der brasilianischen Künstlerin Beatriz Milhazes

 Auch von Beatriz Milhazes 


Bank im MALBA (Museo de Arte Latinoamericano Buenos Aires)


Die hingen an einer so etwa 8-10m langen Wand.


Kunst auf dem Fußboden.


Martinsumzug



 






¡ Argentina !


*Wer diesen Satz nicht kennt sollte eindeutig mehr Michael Ende Bücher lesen! 
Oder mal hier reinschauen.

Mittwoch, 7. November 2012

Außenwelt

Hallo ihr alle! Danke euch allen, die ihr hier mitlest für die freundlichen Grüße und die netten Rückmeldungen auf meine Einträge. Ich höre gerne was ihr an meinen Geschichten lustig/schön/traurig/merkwürdig fandet.
Ich bin heute ein wenig sentimental (ich finde ich darf das auch mal sein gerade). Ihr fehlt mir nämlich ein wenig.
Hier ist niemand mit dem ich so richtig herzhaft lachen könnte. Es gibt keine Abende, die mit Kaffeetrinken nach Dienstschluss beginnen und über Abendessen schließlich zur Spätvorstellung im Kino führen. Keiner trinkt mit mir Rotwein (und Weisswein auch nicht). Und lustige Weinproben auf dem Balkon gibts auch nicht. Gut, ich gebe zu ich hab auch gar keinen Balkon. Die intelligenten Gespräche die ich führe halten sich sehr in Grenzen und die meiste halbwegs intelligente Kommunikation findet bei mir aktuell über Skype statt. Ich vermisse Nachtspaziergänge.
Es ist ein merkwürdiges Gefühle von Konventstreffen mit Ranking zu lesen und selber nicht hingehen zu können. Mich beschleicht langsam das Gefühl Villigst habe mich ein wenig für die echte Welt da draußen verdorben.
Darüberhinaus vermisse ich nicht nur Menschen und Tätigkeiten, sondern auch ganz banal ein paar Dinge. Ich vermisse Käse. Also vernünftigen Käse, der nicht Mozarella ist, aber trotzdem keine gefühlten 1000€ kostet. Ich vermisse Kaffeetrinken, der nicht aus löslichem Granulat und/oder gechlortem Wasser besteht (Das Kaffeeproblem hatte ich ja bereits angemerkt und ich hab inzwischen mein Kaffeetrinkdefizit auch so gut wieder aufgeholt in Buenos Aires, dass ich dort mehrere Nächte erst um 2h schlafen konnte...). Ich vermisse deutsche Drogeriemärkte. Dass die unschlagbar im Preisleistungsverhältnis sind fällt ja schon im europäischen Vergleich auf, aber hier noch mehr. Ich vermisse Krimskramsshopping. Das ist hier einfach zu teuer. Aber in Buenos Aires nicht, wie ich festgestellt habe, sodass bei meinem nächsten Ausflug dorthin ich eindeutig ein Krimskramsshoppingbudget haben werde.

Aber genug des Rumjammerns! Ich zieh mir jetzt Shorts, Flipflops und Sonnenbrille an und gehe Sonne tanken und denke dabei daran, dass ihr zwar all das habt was ich grad vermisse, aber dafür in der Kälte sitzen müsst. Ätsch.


Ein paar kurze Bildchen von Montevideo am Nachmittag/Abend.

 Plaza Independencia


 Plaza Independencia


Sommernachmittag


Sommerabend. Playa Ramirez / Ramblas

Sonntag, 4. November 2012

Ohne Worte

Nachdem ich mir zweieinahlb Tage in Buenos Aires die Hacken blutig gelaufen habe (ja, das meine ich wörtlich), bin ich nun sonntagabenderschöpft und mit dem Kopf voll neuer Eindrücke aber ohne Worte dies adäquat auszudrücken.

Also gibt es heute Buenos Aires in Bildern



 "El Caminito" in La Boca


Bomberos in La Boca

 Fußball in La Boca


 Bunte Häuser in La Boca


 Mauer des Friedhofs in La Recoleta


Straßenlaterne in La Recoleta


 Ungeduld


 Wachstum


 Kaputt


 Slackline im Park


 Japanischer Garten


Obelisco


 Casa Rosada und Flaggen


 Hier leuchtets im Hellen und im Dunkeln


 Subte. Das Metrosystem von BsAs


 Mafalda. Mehr dazu hier




Gold plus Gold.