Sonntag, 4. November 2012

Familienverhältnisse am Río de la Plata

Wenn man aus Montevideo kommt, bemerkt man in Buenos Aires sofort sowohl wie anders, aber auch wie ähnlich sich die beiden Städte sind. Sie sind eben miteinaner verwandt. Montevideo ist die kleine Schwester, erst halb so groß. Weil sie noch so klein ist, ist sie auch noch eher schüchtern. Sie traut sich nicht so recht und versteckt ihren Charme ganz gerne. Auch ist sie irgendwie stiller und entspannter. Sie mag lieber Strand als Party, aber auch das hat sie noch nicht so perfektioniert wie die Cousinen und Cousins der Atlantikküste von Rocha und anderen Provinzen. Vielleicht ist sie für so viel Sandkastenspielerein eben doch schon zu groß. Buenos Aires ist eindeutig die große Schwester. Sie trägt tiefen Ausschnitt und Makeup. Fast schon ein wenig schlampig geht sie sehr offenherzig mit ihren Vorzügen um. Sie bezaubert und verführt. Wenn man sie oder ihresgleichen nicht gewöhnt ist neigt sie dazu einen zu überfordern. Aber wenn man sich darauf einlässt verdreht sie einem allzu bald den Kopf.
Aber man merkt auch die enge Verwandtschaft. Sie essen ähnliche Dinge. Am liebsten Milanesa, Empanadas, Pasta und Pizza. Buenos Aires mag noch einige Dinge mehr aus den Küchen dieser Welt, Montevideo hängt noch sehr an Mamas Hausmannskost. Beide mögen Tango. Aber während Montevideo diese Neigung eher versteckt, springt einem diese Leidenschaft in Buenos Aires förmlich ins Gesicht. Buenos Aires ist auch viel lieber draußen. Es gibt so viele Parks und Flaniermeilen und überall macht jemand Musik (sie ist eben doch ein Teenager der gerne die Musik aufdreht). Buenos Aires trinkt auch ziemlich viel Kaffee, ihre kleine Schwester hat das noch nicht so für sich entdeckt. Beim Kaffeetrinken kann man eben wunderbaren Menschen beobachten und sich selbst präsentieren. Das tut Buenos Aires wirklich gern.
Buenos Aires wohnt in einem viel größeren Haus (2780400km²). Montevideo hat da eher nur ihr eigenes Zimmer.
Man sieht die Familienähnlichkeit, aber wenn man die Familie kennt, könnten die Unterschiede manchmal größer nicht sein. So ist das eben bei Schwestern.

Herzlichen Gruß aus der argentinischen Seite des Familienflusses bevor ich mich morgen auf den Rückweg mache!


P.S. Warum fangen eigentlich die meisten Städte in die ich freiwillig ziehen würde mit B an? Berlin, Barcelona, Boston, Buenos Aires...

P.P.S. Bilder gibts keine weil ich am Hostelcomputer sitze und hier nichts zum Hochladen habe.

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