Dienstag, 13. November 2012

Sturm, Museen und ein Heiliger

Am Freitag war es unfassbar schwül. Kaum hatte man sich nach dem Duschen abgetrocknet schon war man wieder nassgeschwitzt. Morgens war auch ansonsten nicht so mein Tag. Nach drei Stunden Schlaf ist man wohl nicht wirklich ausgeschlafen. Wie es dazu kam ist eine andere Geschichte und die soll ein andermal erzählt werden*. Merkwürdigerweise waren wir in der Klinik  schon um ca 10h fertig und entsprechend unerwartet früh war ich dann auch schon zu Hause. So kam es dass ich viel Zeit für spontane Ideen zur Wochenendplanung hatte und ein kleiner Teil von mir hatte schon die ganze Woche mit dem Gedanken gespielt nochmal nach Buenos Aires zu fahren. Denn da war am Samstag Nacht der Museen. Sowas verpasse ich ja wirklich nur ungern. Auf der anderen Seite wer fährt denn an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden in die gleiche Stadt? Richtig. Ich. Fähre gebucht, Hostel gebucht, Zimmer aufgeräumt, Sachen gepackt, Zettel geschrieben für Mitbewohnerin und auf zum Copyshop (onlineticket ausdrucken) und danach zum Busbahnhof. In den paar Stunden zu Hause hatte das Wetter sich entschieden von unfassbar schwül auf unfassbar stürmisch umzuschwenken. Die ersten Tropfen fielen als ich gerade so die Straße runter war und am Busbahnhof angekommen war mein linker Fuß völlig durchnässt (Loch in der Schuhsohle). Allerdings durfte ich dann noch eine halbe Ewigkeit dumm herumstehen, denn unser Bus fuhr dann erst eine gute Stunde später als angekündigt, da die Kollegen vom Hafen noch unsicher waren ob die Fähre bei dem Wetter überhaupt fahren könne. Als der Bus aus Montevideo abfuhr war der Himmel schwarz und es blitzte ziemlich viel. Weltuntergangsstimmung. Die größten Teile von Busfahrt und Fährenüberfahrt habe ich auch dazu genutzt meine Schlafmangel etwas zu reduzieren. Auf eine sehr novemberliche Art und Weise war es auch schön und beruhigend den Regentropfen an der Fensterscheibe zuzusehen. Etwas unangenehmer war es dann bei starkem Wind auf der dreistündigen Fährüberfahrt. Zusammenfassend kann man sagen ich wurde praktisch in den Schlaf geschaukelt. Bisweilen allerdings auch etwas unsanft. An Bord herrschte Stille abgesehen von den Getränkeflaschen der Bar, die bei größeren Wellen gewaltig klirrten. Ich weiss nicht ob es an der Dunkelheit und Abendstimmung lag oder an der vom Kapitän ausgesprochenen Empfehlung die Sitzplätze nicht zu verlassen. Letztlich ich bin sicher auf der anderen Seite des Río de la plata angekommen und konnte noch mit den Münzen vom letzten Wochenende meine Busfahrt zum Hostel bezahlen.

Samstag abend fand dann die Museumsnacht statt. Ich habe mal versucht zu zählen wie oft ich an sowas schon teilgenommen habe, kann mich aber nicht mehr so ganz erinnern. Zumindest war es in einigen verschiedenen Städten und irgendwie gab es jedes Mal spannende Geschichten und Erinnerungen. Mit Kniebandage in der Hamburger S-Bahn der Fuß hochlegen wegen einer Sportverletzung vom Vortag. In Barcelona nachts um 1h mit meiner ukrainischen Hostelbekanntschaft im Regen Schlange stehen. Schokoladeneis essen im RE nach Mannheim. Und von den Museen will ich erst gar nicht anfangen.

Buenos Aires hat ziemlich viele Museen und erstaunlicherweise habe ich es aber nicht geschafft bei allen der über 180 teilnehmenden Museen vorbeizuschauen. Aber ich hab gut 6,5 Stunden lang alles mögliche angeschaut und bin quer durch die Stadt gelaufen/gefahren. Highlights dieser Aktion: nach 40 Minuten des in Wind und Kälte auf den Bus Wartens ein Taxi mit einem Pärchen aus Buenos Aires geteilt und mir spontan auch noch das Museum angeschaut, in das die beiden wollten. In der Synagoge des jüdischen Museums ein Chorkonzert anhören. Die temporäre Ausstellung der brasilianischen Künstlerin Beatriz Milhazes im MALBA sehen und gut finden.

Am Sonntag hab ich dann schon wieder etwas Neues gelernt. Der Schutzheilige der Stadt Buenos Aires ist Sankt Martin (hier San Martín de Tours). Zu dessen Ehren gab es einen kleinen Umzug in historischen Kostümen, die die erste Sankt Martinsfeier der Stadt Buenos Aires nachempfinden sollte. Vorher gab es auf größer Leinwand die Geschichte des Stadtheiligen als Film anzuschauen. 
[Der Gute hat übrigens nach seinem Tod noch ganz schön zu tun. Buenos Aires ist schließlich nicht die einzige Stadt, die er zu beschützen hat. Wikipedia weiß zu berichten, dass auch Frankreich, die Slowakei, das Eichsfeld, das Burgenland, die Stadt Mainz plus deren Dom, die Reisenden, die Armen und Bettler, Reiter, Flüchtlinge, Gefangene, Abstinenzler und Soldaten von ihm Schutz in Anspruch nehmen. Ganz schön gefragt.]
Das war mal so eine ganz andere Art den 11.11. zu feiern. Als Kölnerin fallen mir da eher Karneval oder Laternenumzüge und Martinslieder ein, aber sowas war mir neu.



Meine Spiegelreflex hatte ich aus Bequemlichkeits- und Sicherheitsgründen diesmal nicht mit. 
Aber ein Smartphone macht ja auch ganz passable Bilder. 
Hier also Buenos Aires Teil 2

 Regen am Busfenster


 Graues Wasser. Fähre.


Ich mag lila blühende Bäume.

 
 "El Ateneo" - 
die wundervollste Buchhandlung mit Cafe von Buenos Aires. 
Oder der Welt. Da bin ich unsicher. 
Die Deckenmalerei ist hier leider nicht zu sehen.
In einem alten Theater. Auf der ehemaligen Bühne das Cafe.


Karrikatur aus dem Humormuseum.
 "Mit dir kann man nicht rausgehen, Eva. 
Du hälst an jedem Baum an, um die Blätter anzuschauen."


 Herzstück eines Wandbilds des deutschen Malers Franz Ackermann.


Casa Rosada, Sitz der Präsidentin, heute mal so richtig pink 


Ausstellung im Museum für Television über den Paraguaykrieg.


"Im Krieg verlieren wir alle..."


Aus der Ausstellung "Panamericano" 
der brasilianischen Künstlerin Beatriz Milhazes

 Auch von Beatriz Milhazes 


Bank im MALBA (Museo de Arte Latinoamericano Buenos Aires)


Die hingen an einer so etwa 8-10m langen Wand.


Kunst auf dem Fußboden.


Martinsumzug



 






¡ Argentina !


*Wer diesen Satz nicht kennt sollte eindeutig mehr Michael Ende Bücher lesen! 
Oder mal hier reinschauen.

Mittwoch, 7. November 2012

Außenwelt

Hallo ihr alle! Danke euch allen, die ihr hier mitlest für die freundlichen Grüße und die netten Rückmeldungen auf meine Einträge. Ich höre gerne was ihr an meinen Geschichten lustig/schön/traurig/merkwürdig fandet.
Ich bin heute ein wenig sentimental (ich finde ich darf das auch mal sein gerade). Ihr fehlt mir nämlich ein wenig.
Hier ist niemand mit dem ich so richtig herzhaft lachen könnte. Es gibt keine Abende, die mit Kaffeetrinken nach Dienstschluss beginnen und über Abendessen schließlich zur Spätvorstellung im Kino führen. Keiner trinkt mit mir Rotwein (und Weisswein auch nicht). Und lustige Weinproben auf dem Balkon gibts auch nicht. Gut, ich gebe zu ich hab auch gar keinen Balkon. Die intelligenten Gespräche die ich führe halten sich sehr in Grenzen und die meiste halbwegs intelligente Kommunikation findet bei mir aktuell über Skype statt. Ich vermisse Nachtspaziergänge.
Es ist ein merkwürdiges Gefühle von Konventstreffen mit Ranking zu lesen und selber nicht hingehen zu können. Mich beschleicht langsam das Gefühl Villigst habe mich ein wenig für die echte Welt da draußen verdorben.
Darüberhinaus vermisse ich nicht nur Menschen und Tätigkeiten, sondern auch ganz banal ein paar Dinge. Ich vermisse Käse. Also vernünftigen Käse, der nicht Mozarella ist, aber trotzdem keine gefühlten 1000€ kostet. Ich vermisse Kaffeetrinken, der nicht aus löslichem Granulat und/oder gechlortem Wasser besteht (Das Kaffeeproblem hatte ich ja bereits angemerkt und ich hab inzwischen mein Kaffeetrinkdefizit auch so gut wieder aufgeholt in Buenos Aires, dass ich dort mehrere Nächte erst um 2h schlafen konnte...). Ich vermisse deutsche Drogeriemärkte. Dass die unschlagbar im Preisleistungsverhältnis sind fällt ja schon im europäischen Vergleich auf, aber hier noch mehr. Ich vermisse Krimskramsshopping. Das ist hier einfach zu teuer. Aber in Buenos Aires nicht, wie ich festgestellt habe, sodass bei meinem nächsten Ausflug dorthin ich eindeutig ein Krimskramsshoppingbudget haben werde.

Aber genug des Rumjammerns! Ich zieh mir jetzt Shorts, Flipflops und Sonnenbrille an und gehe Sonne tanken und denke dabei daran, dass ihr zwar all das habt was ich grad vermisse, aber dafür in der Kälte sitzen müsst. Ätsch.


Ein paar kurze Bildchen von Montevideo am Nachmittag/Abend.

 Plaza Independencia


 Plaza Independencia


Sommernachmittag


Sommerabend. Playa Ramirez / Ramblas

Sonntag, 4. November 2012

Ohne Worte

Nachdem ich mir zweieinahlb Tage in Buenos Aires die Hacken blutig gelaufen habe (ja, das meine ich wörtlich), bin ich nun sonntagabenderschöpft und mit dem Kopf voll neuer Eindrücke aber ohne Worte dies adäquat auszudrücken.

Also gibt es heute Buenos Aires in Bildern



 "El Caminito" in La Boca


Bomberos in La Boca

 Fußball in La Boca


 Bunte Häuser in La Boca


 Mauer des Friedhofs in La Recoleta


Straßenlaterne in La Recoleta


 Ungeduld


 Wachstum


 Kaputt


 Slackline im Park


 Japanischer Garten


Obelisco


 Casa Rosada und Flaggen


 Hier leuchtets im Hellen und im Dunkeln


 Subte. Das Metrosystem von BsAs


 Mafalda. Mehr dazu hier




Gold plus Gold.

Familienverhältnisse am Río de la Plata

Wenn man aus Montevideo kommt, bemerkt man in Buenos Aires sofort sowohl wie anders, aber auch wie ähnlich sich die beiden Städte sind. Sie sind eben miteinaner verwandt. Montevideo ist die kleine Schwester, erst halb so groß. Weil sie noch so klein ist, ist sie auch noch eher schüchtern. Sie traut sich nicht so recht und versteckt ihren Charme ganz gerne. Auch ist sie irgendwie stiller und entspannter. Sie mag lieber Strand als Party, aber auch das hat sie noch nicht so perfektioniert wie die Cousinen und Cousins der Atlantikküste von Rocha und anderen Provinzen. Vielleicht ist sie für so viel Sandkastenspielerein eben doch schon zu groß. Buenos Aires ist eindeutig die große Schwester. Sie trägt tiefen Ausschnitt und Makeup. Fast schon ein wenig schlampig geht sie sehr offenherzig mit ihren Vorzügen um. Sie bezaubert und verführt. Wenn man sie oder ihresgleichen nicht gewöhnt ist neigt sie dazu einen zu überfordern. Aber wenn man sich darauf einlässt verdreht sie einem allzu bald den Kopf.
Aber man merkt auch die enge Verwandtschaft. Sie essen ähnliche Dinge. Am liebsten Milanesa, Empanadas, Pasta und Pizza. Buenos Aires mag noch einige Dinge mehr aus den Küchen dieser Welt, Montevideo hängt noch sehr an Mamas Hausmannskost. Beide mögen Tango. Aber während Montevideo diese Neigung eher versteckt, springt einem diese Leidenschaft in Buenos Aires förmlich ins Gesicht. Buenos Aires ist auch viel lieber draußen. Es gibt so viele Parks und Flaniermeilen und überall macht jemand Musik (sie ist eben doch ein Teenager der gerne die Musik aufdreht). Buenos Aires trinkt auch ziemlich viel Kaffee, ihre kleine Schwester hat das noch nicht so für sich entdeckt. Beim Kaffeetrinken kann man eben wunderbaren Menschen beobachten und sich selbst präsentieren. Das tut Buenos Aires wirklich gern.
Buenos Aires wohnt in einem viel größeren Haus (2780400km²). Montevideo hat da eher nur ihr eigenes Zimmer.
Man sieht die Familienähnlichkeit, aber wenn man die Familie kennt, könnten die Unterschiede manchmal größer nicht sein. So ist das eben bei Schwestern.

Herzlichen Gruß aus der argentinischen Seite des Familienflusses bevor ich mich morgen auf den Rückweg mache!


P.S. Warum fangen eigentlich die meisten Städte in die ich freiwillig ziehen würde mit B an? Berlin, Barcelona, Boston, Buenos Aires...

P.P.S. Bilder gibts keine weil ich am Hostelcomputer sitze und hier nichts zum Hochladen habe.

Freitag, 2. November 2012

Nur ganz kurz

Kurzer erster Eindruck (und erste Eindrücke müssen kurz sein, sonst sind es ja auch nicht mehr die ersten).
Nach gut sieben Stunden in Buenos Aires muss ich sagen: ich bin verliebt! Ich weiss ich muss aufhören mich in unbelebte Gegenstände (Küchengeräte, Möbel, etc) oder Orte zu verlieben. Aber hier ist es nicht mal meine Schuld. Der Reiseführer hatte vor solchen Problemen schon gewarnt. Und obwohl das Hostel nicht das Sauberste ist in dem ich je gewesen bin und das Dreck- und Müllproblem hier eindeutig schlimmer ist als in Montevideo, würde ich eben doch irgendwie ein klein wenig am Liebsten gleich hier bleiben.
Soweit der erste Eindruck. Vielleicht relativiert sich das ja noch. Wir werden sehen.

Bis dahin: Buenas noches, Buenos Aires!