Mittwoch, 7. November 2012

Außenwelt

Hallo ihr alle! Danke euch allen, die ihr hier mitlest für die freundlichen Grüße und die netten Rückmeldungen auf meine Einträge. Ich höre gerne was ihr an meinen Geschichten lustig/schön/traurig/merkwürdig fandet.
Ich bin heute ein wenig sentimental (ich finde ich darf das auch mal sein gerade). Ihr fehlt mir nämlich ein wenig.
Hier ist niemand mit dem ich so richtig herzhaft lachen könnte. Es gibt keine Abende, die mit Kaffeetrinken nach Dienstschluss beginnen und über Abendessen schließlich zur Spätvorstellung im Kino führen. Keiner trinkt mit mir Rotwein (und Weisswein auch nicht). Und lustige Weinproben auf dem Balkon gibts auch nicht. Gut, ich gebe zu ich hab auch gar keinen Balkon. Die intelligenten Gespräche die ich führe halten sich sehr in Grenzen und die meiste halbwegs intelligente Kommunikation findet bei mir aktuell über Skype statt. Ich vermisse Nachtspaziergänge.
Es ist ein merkwürdiges Gefühle von Konventstreffen mit Ranking zu lesen und selber nicht hingehen zu können. Mich beschleicht langsam das Gefühl Villigst habe mich ein wenig für die echte Welt da draußen verdorben.
Darüberhinaus vermisse ich nicht nur Menschen und Tätigkeiten, sondern auch ganz banal ein paar Dinge. Ich vermisse Käse. Also vernünftigen Käse, der nicht Mozarella ist, aber trotzdem keine gefühlten 1000€ kostet. Ich vermisse Kaffeetrinken, der nicht aus löslichem Granulat und/oder gechlortem Wasser besteht (Das Kaffeeproblem hatte ich ja bereits angemerkt und ich hab inzwischen mein Kaffeetrinkdefizit auch so gut wieder aufgeholt in Buenos Aires, dass ich dort mehrere Nächte erst um 2h schlafen konnte...). Ich vermisse deutsche Drogeriemärkte. Dass die unschlagbar im Preisleistungsverhältnis sind fällt ja schon im europäischen Vergleich auf, aber hier noch mehr. Ich vermisse Krimskramsshopping. Das ist hier einfach zu teuer. Aber in Buenos Aires nicht, wie ich festgestellt habe, sodass bei meinem nächsten Ausflug dorthin ich eindeutig ein Krimskramsshoppingbudget haben werde.

Aber genug des Rumjammerns! Ich zieh mir jetzt Shorts, Flipflops und Sonnenbrille an und gehe Sonne tanken und denke dabei daran, dass ihr zwar all das habt was ich grad vermisse, aber dafür in der Kälte sitzen müsst. Ätsch.


Ein paar kurze Bildchen von Montevideo am Nachmittag/Abend.

 Plaza Independencia


 Plaza Independencia


Sommernachmittag


Sommerabend. Playa Ramirez / Ramblas

Sonntag, 4. November 2012

Ohne Worte

Nachdem ich mir zweieinahlb Tage in Buenos Aires die Hacken blutig gelaufen habe (ja, das meine ich wörtlich), bin ich nun sonntagabenderschöpft und mit dem Kopf voll neuer Eindrücke aber ohne Worte dies adäquat auszudrücken.

Also gibt es heute Buenos Aires in Bildern



 "El Caminito" in La Boca


Bomberos in La Boca

 Fußball in La Boca


 Bunte Häuser in La Boca


 Mauer des Friedhofs in La Recoleta


Straßenlaterne in La Recoleta


 Ungeduld


 Wachstum


 Kaputt


 Slackline im Park


 Japanischer Garten


Obelisco


 Casa Rosada und Flaggen


 Hier leuchtets im Hellen und im Dunkeln


 Subte. Das Metrosystem von BsAs


 Mafalda. Mehr dazu hier




Gold plus Gold.

Familienverhältnisse am Río de la Plata

Wenn man aus Montevideo kommt, bemerkt man in Buenos Aires sofort sowohl wie anders, aber auch wie ähnlich sich die beiden Städte sind. Sie sind eben miteinaner verwandt. Montevideo ist die kleine Schwester, erst halb so groß. Weil sie noch so klein ist, ist sie auch noch eher schüchtern. Sie traut sich nicht so recht und versteckt ihren Charme ganz gerne. Auch ist sie irgendwie stiller und entspannter. Sie mag lieber Strand als Party, aber auch das hat sie noch nicht so perfektioniert wie die Cousinen und Cousins der Atlantikküste von Rocha und anderen Provinzen. Vielleicht ist sie für so viel Sandkastenspielerein eben doch schon zu groß. Buenos Aires ist eindeutig die große Schwester. Sie trägt tiefen Ausschnitt und Makeup. Fast schon ein wenig schlampig geht sie sehr offenherzig mit ihren Vorzügen um. Sie bezaubert und verführt. Wenn man sie oder ihresgleichen nicht gewöhnt ist neigt sie dazu einen zu überfordern. Aber wenn man sich darauf einlässt verdreht sie einem allzu bald den Kopf.
Aber man merkt auch die enge Verwandtschaft. Sie essen ähnliche Dinge. Am liebsten Milanesa, Empanadas, Pasta und Pizza. Buenos Aires mag noch einige Dinge mehr aus den Küchen dieser Welt, Montevideo hängt noch sehr an Mamas Hausmannskost. Beide mögen Tango. Aber während Montevideo diese Neigung eher versteckt, springt einem diese Leidenschaft in Buenos Aires förmlich ins Gesicht. Buenos Aires ist auch viel lieber draußen. Es gibt so viele Parks und Flaniermeilen und überall macht jemand Musik (sie ist eben doch ein Teenager der gerne die Musik aufdreht). Buenos Aires trinkt auch ziemlich viel Kaffee, ihre kleine Schwester hat das noch nicht so für sich entdeckt. Beim Kaffeetrinken kann man eben wunderbaren Menschen beobachten und sich selbst präsentieren. Das tut Buenos Aires wirklich gern.
Buenos Aires wohnt in einem viel größeren Haus (2780400km²). Montevideo hat da eher nur ihr eigenes Zimmer.
Man sieht die Familienähnlichkeit, aber wenn man die Familie kennt, könnten die Unterschiede manchmal größer nicht sein. So ist das eben bei Schwestern.

Herzlichen Gruß aus der argentinischen Seite des Familienflusses bevor ich mich morgen auf den Rückweg mache!


P.S. Warum fangen eigentlich die meisten Städte in die ich freiwillig ziehen würde mit B an? Berlin, Barcelona, Boston, Buenos Aires...

P.P.S. Bilder gibts keine weil ich am Hostelcomputer sitze und hier nichts zum Hochladen habe.

Freitag, 2. November 2012

Nur ganz kurz

Kurzer erster Eindruck (und erste Eindrücke müssen kurz sein, sonst sind es ja auch nicht mehr die ersten).
Nach gut sieben Stunden in Buenos Aires muss ich sagen: ich bin verliebt! Ich weiss ich muss aufhören mich in unbelebte Gegenstände (Küchengeräte, Möbel, etc) oder Orte zu verlieben. Aber hier ist es nicht mal meine Schuld. Der Reiseführer hatte vor solchen Problemen schon gewarnt. Und obwohl das Hostel nicht das Sauberste ist in dem ich je gewesen bin und das Dreck- und Müllproblem hier eindeutig schlimmer ist als in Montevideo, würde ich eben doch irgendwie ein klein wenig am Liebsten gleich hier bleiben.
Soweit der erste Eindruck. Vielleicht relativiert sich das ja noch. Wir werden sehen.

Bis dahin: Buenas noches, Buenos Aires!

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Niedliche untote Kinder in einer globalisierten Welt

Heute laufen ziemlich viele niedliche untote Kinder durch die Straßen. Auch ein paar Teufelchen, Fledermäuse und ziemlich unfdefinierbare Verkleidungen habe ich schon gesehen. Das macht gewissermaßen Sinn denn in der amerikanisierten Welt, in der auch alle anderen Nationen irgendwie noch leben. So hat sich auch hier in Uruguay in den letzten zehn Jahren die nordamerikanische Tradition von Halloween eingeschlichen.

Manchmal beschleicht mich das Gefühl es dauert nicht mehr lange bis es sowieso überall nur noch globalisierten Einheitsbrei gibt. Schon jetzt ist es in den Einkaufsstraßen europäischer Großstädte manchmal schwer zu sagen in welchem Land man sich gerade befindet. Überall finden sich die gleichen Ketten in denen man Kleidung oder Fastfood kaufen kann. Und alle Streben nach den gleichen Produkten.
Aber manchmal ist Globalisierung auch schön. Es gibt eben überall das Selbe. Wie zu Hause. Das erste Mal ist mir das in einem Hostel in Lissabon aufgefallen als ich beim Frühstück die gleichen Teller und das gleiche Besteck eines einschlägigen schwedischen Möbelhauses fand wie in meinem eigenen Schrank zu Hause. Selbiges Möbelhaus sorgt im allgemeinen auch dafür dass man sich in fremden Studentenzimmern gleich heimisch fühlt ("Oh, den Sessel hab ich auch.") und man kann eine gewisse Heimatsatmosphäre auch durch dort erworbene Produkte herstellen. So wie in Sevilla als ich mein Zimmer mit Schreibtisch und Beistelltisch möblierte, die ich in praktischer Verpackung und Leichtbauweise selbst per Bus halbwegs gut einkaufen konnte.
Auch Kaffeeketten können dank ihrer Omnipräsenz irgendwie ein Mini-Heimat-Gefühl hervorrufen. Immer das gleiche Einrichtungsdesign, immer der gleiche Kaffee, nur die Preise unterscheiden sich je nach Land. 

Nur Uruguay hat kaum etwas von dem oben genannten bisher erreicht. Das Land ist so klein und so unwichtig, dass es bisher offensichtlich untergangen ist auf den Karten der großen Unternehmen. Möbel sind meist handgefertigt und teuer. Als schnelles Essen holt man sich eher Milanesas, Chivitos oder Hamburguesas an der Straße oder in der Bar. Klamotten kommen hier auch von Ketten, aber keine, die ich bisher schon anderswo gesehen hätte. Außerdem geht die Uruguaya an sich auch eher ein bis zwei Mal im Jahr in Buenos Aires Shoppen. Mehr Auswahl und billiger wurde mir berichtet. Wofür sich bisher noch kein adäquater Ersatz gefunden hat sind die nicht vorhandenen Kaffeeketten. Kulturell ist man hier eben auf Mate eingestellt. Das ist ja auch in Ordnung und garantiert ein nettes Gemeinschaftserlebnis, aber es kann doch kein ernsthafter Ersatz für einen Kaffee sein?!? Aber es ist ja auch nicht nur der Kaffee, der fehlt. Vielmehr fehlt der Rückzugsort am Nachmittag, wenn man keinen Hunger oder Durst hat und sich einfach nur mal nett Hinsetzen will. Und noch viel mehr fehlen mir die hübschen überdimensionierten Tassen.*

Ein weiteres schönes Erlebnis zum Thema der gleichmachenden Globalisierung war als ich auf Station neben einem Studenten stand und dachte "Moment, den Duft kenn ich doch. Aber in meiner Welt gehört der zu jemand Anderem". Manchmal ist es eben nicht das Selbe sondern nur das Gleiche.


Übrigens bestehe ich darauf dass heute Hallomationstag ist. Weder Reforween noch sonst irgendwas. 
Ich hab Beweise:
Und falls sich jemand wundert warum auf meinem 120-Tage-Abstreichkalender noch kein Tag durchgestrichen ist. Der ist einfach zu schade dazu. Aber ich garantiere euch ich schau jeden Tag drauf!



Wirklich neue Fotos gibt es nicht aus der letzten Zeit. 
Aber ich hab ein paar lustige Dinge gesammelt.
Mein Sammelsurium.


Spielzeug für medizinische Spielkinder I


Spielzeug für medizinische Spielkinder II


Spielzeug für (große) medizinische Spielkinder III


Werkzeugset mit Blumenmuster. Leider verwackelt.
Das ist entweder merkwürdig sexistisch (für Mädchen gedacht)
oder sehr tolerant (für Jungs gedacht).
Ich bin bei der Wertung noch unentschlossen.


Dönerladen mit deutschem Werbeslogan 
und der spanischen Erklärung dass Döner von Berlin aus Europa eroberte.
Noch mehr spannende Infos zur Geschichte des Döners gibts hier


Scheinen auch wichtige deutsche Produkte zu sein.
(Preise 4,33€ bzw 4,16€)
Es gibt hier auch die Erdnussbutter desselben Herstellers 
im Glas mit deutscher Beschriftung.


*Um das nochmal klar zu stellen. Es geht mir gar nicht mal um das Amerikanische an diesen Coffeeshops. Genauso lieb und eigentlich noch viel lieber ist mir nämlich Balzac Coffee. Gibts aber nur in Hamburg/Berlin/Hannover/Lübeck. Norden hat eben doch was, was der Süden nicht hat!