Sonntag, 14. Oktober 2012

Sonntag mit Sonne

Heute war ein Sonntag, der seinem Namen alle Ehre machte. Zum ersten Mal hab ich meine Sonnenbrille aus dem Rucksack geholt und wahrscheinlich hat meine Stirn inzwischen eine dezent andere Hautfarbe als noch heute morgen. Genutzt habe ich den Tag um auf dem Sonntagsmarkt Tristan Narvaja herumzuschlendern. Der findet in der namensgebenden Straße und einigen Parallel- und Querstraßen statt. Neben Obst, Gemüse, Kleidung, lebenden Kleintieren (gesehen habe ich Hühner, Kaninchen, Mäuse, Kanarienvögel und Hamster), Käse, Brot, Hygienartikeln und Schmuck finden sich dort auch allerlei Raritäten, Antiqutäten, Schnickschnack und Schrott. Das Wetter war perfekt um bei strahlendem Sonnenschein und 22° zu schauen, was so angeboten wird. Im Gegensatz zu Caitlin, die mich begleitet hat, habe ich noch nicht mal was gekauft. Das stimmt gar nicht. In einer Bäckerei haben wir uns beide jeweils einen Alfajor gekauft. Dabei handelt es sich zwei runde Kekse gefüllt in meinem Fall mit Dulce de Leche und dann noch mit Schokolade überzogen.
[Das deutschsprachige Wikipedia gab zu diesem Thema leider nichts her. Wen die Geschichte dieses spannenden eigentlich spanischen und eigentlich ganz anderen Gebäcks interessiert kann sich auf Englisch hier schlau machen]
Um die späte Mittagszeit (also so gegen 14:30h) fanden wir ein ganz nettes winziges überfülltes Lokal, in dem live Tangomusik gespielt wurde. Dazu gab es extrem leckere hausgemachte Pasta. Kann nicht jeder Tag so sein?

Ich hab ab morgen dann auch endlich mal ein Zimmer und kann aus dem Hostel ausziehen. Nicht, dass es hier schlecht gewesen wäre, aber mein Rucksack möchte langsam mal ausgepackt werden, mein Kalender aufgehängt und meine Klamotten in einen Schrank gepackt werden. Die Wohnung liegt genau auf der Grenze zwischen den Stadtteilen Palermo und Barrio Sur. Zu den Ramblas, den Promenaden am Wasser, sind es 500m (genau dort am Ende der Straße liegt übrigens die deutsche Botschaft). In die andere Richtung sind 400m bis zur Hauptstraße "18 de Julio", wo jede Menge Busse fahren und viele Geschäfte sind. 
In dem Haus kann man sogar aufs Dach, wo es zwar keine Möbel gibt, aber wo man mit einer Decke super in der Sonne sitzen kann und Lesen/Lernen/Rumhängen kann. 

Thematisch passend heute Bilder meines sonnigen Wochenendes
Blick auf Playa Ramírez (rechts) 
und die Häuser von Parque Rodó (rechts), Palermo (mitte rechts), 
Barrio Sur (mitte links), Centro (links hinter den Bäumen) 
und Ciudad Vieja (fällt links aus dem Bild)


 Zwischen Punta Carretas und Pocitos.


Zwischen Punta Carretas und Pocitos.
Samstag morgen halb zehn.
Kein Knoppers weit und breit.


Puzzeln?


Eine ruhigere Seitenstraße des Markts


Klangen besser als sie hier aussehen:
die Tangomusiker bei unserem Mittagessen.


Freitag, 12. Oktober 2012

Same same but different

Mein letztes PJ-Tertial hat dann tatsächlich doch nochmal angefangen.
[Damit bin ich in 15 Wochen tatsächlich fertig mit dem letzten Teil meines ewiglangen Studiums. Und danach werde ich hoffentlich nie wieder für einen Stundenlohn von 2,35€ arbeiten müssen.
Auf der anderen Seite gibts dann auch kein Villigst mehr, keine Auslandsförderung und keine Studentenvergünstigungen...]

Im Krankenhaus ist vieles ähnlich wie in Deutschland auch. Manches ist ja auch universell: Ins Krankenhaus kommen Menschen weil sie nicht ganz gesund sind, wenn sie ärztlicherseits als kritisch oder weiter untersuchungsbedürftig eingeschätzt werden, nimmt man sie als Patienten auf und sie liegen auf einer Station in einem Bett. Dort untersuchen Ärzte und ordnen Medikamente und weitere Untersuchungen an und entscheiden ob und wann Patienten wieder nach Hause gehen. So weit so gut.

Aber hier ist dann doch eben vieles anders. Von der Renovierungsbedürftigkeit des Gebäudes will ich gar nicht erst anfangen. Ich hab zwar die letzten Monate in einem Krankenhaus mitten in der Renovierung verbracht, aber das hier ist kein Vergleich.

Morgens fängt alles um 8h mit der Übergabe des einen Guardia-Teams an das nächste an. Guardia bezeichnet einen 24-Stunden-Dienst in der Ambulanz und im Kreissaal. Zeitangaben sind dabei irgendwie relativ. Ich war meistens zwischen 7:57 und 8:00h dort und war immer unter den Ersten. Dann geht man auf die eigene Station, in meinem Fall Maternidad 7. Nach einem mehr oder weniger langen Aufenthalt im schäbbigen Arztzimmer beginnt irgendwann die Visite. Es gibt einen Wagen auf dem die Krankenakten alle zusammengesammelt werden und dann schnappt sich jeder der 3 Residentes (Assistenzärzte) und 4 Internas (PJler) jeweils eine Akte guckt kurz durch und macht dann selbstständig Visite. Dann dokumentiert man und bespricht sich kurz mit dem Facharzt der Station.
Dabei findet hier alles auf Zetteln statt. Jede Untersuchung, Blutabnahme oder Konsil, die angefordert werden müssen auf einem A5-Formular beantragt werden. Wer also einen Ultraschall, einen Pap-Abstrich, ein CTG, einen Sozialarbeiter oder ein Blutbild braucht schreibt das auf das Formular zusammen mit Name und Ausweisnummer des Patienten. Das ganz muss von einem Arzt unterschrieben werden und dann von den PJlern in die entsprechenden Abteilungen des Krankenhauses gebracht werden. Ganz schön viel Aufwand. Bei uns läuft das über ein paar Klicks im Computer und maximal noch einen Anruf in der Abteilung.
Apropos, persönliche kabellose Telefone gibt es hier nicht. Auf unserer Station steht nur ein Telefon im Schwesternzimmer.
Wenn dann alle Patienten von irgendwem visitiert worden sind, werden noch die entsprechenden Entlassbriefe geschrieben. Auch das ist deutlich aufwendiger ohne Computer. Aus der Akte wird alles nochmal per Hand zusammengeschrieben. Damit man dann wenigstens zwei Ausfertigungen hat (eine für die Akte und eine für den Patienten), legt man ein Durchschreibepapier zwischen die beiden Zettel. Sowas habe ich gefühlt das letzte Mal vor 20 Jahren auf dem Schreibtisch meines Großvaters gesehen.

Noch nie gesehen habe ich hingegen ein Pinard-Rohr. (Bei uns sind die gelb und aus Plastik)
Damit kann man die fetalen Herztöne versuchen zu hören. Ich, die ich den Luxus ständig verfügbarer Ultraschallgeräte und CTGs gewöhnt bin, hatte bisher beim Hören nicht so viel Erfolg damit...



P.S. Wen es interssiert findet eine Erklärung des Titels hier


Optisch gibts heute den Strand von Pocitos. 
Da in der Nähe würde ich gerne wohnen.
Nicht nur wegen des Strands, vor allem das 
dazugehörige Viertel ist ganz schön und ziemlich sicher.

Pocitos Strand. Blick nach links.


 Pocitos Strand. Blick nach rechts.


 Das ist ein Chivito, eine lokale Spezialität.
Der besteht aus ungefähr allem was ungesund ist:
Fleisch, gebratener Speck, Spiegelei, gebratenen Zwiebeln, Mayonaisse,
Ketchup, ein wenig Alibigemüse und das ganze in einem Brötchen.
¡Que aproveche!

Montag, 8. Oktober 2012

Oder auch nicht

Das südamerikanisch Organisationstalent ist ja gemeinhin bekannt. Und auch völlig zu Recht.
Heute morgen kam ich mit deutscher Pünktlichkeit ein paar Minuten vor neun (das schaffe ich in Deutschland eher selten) in der Clínica de Ginecotocología - Abteilung C im Sekretariat an. Das hatte mit der Koordinator der Fakultät so geschrieben und ich hatte mich ganz brav dran gehalten. Das einzige Problem war, dass die Fakultät ihre großartigen Pläne mich dort unterzubringen niemandem mitgeteilt hatten, sodass der zuständige Arzt von nichts wusste und auch keine Zeit hatte. Nach einem kurzen Telefonat hieß es ich solle doch morgen wiederkommen so gegen 8 oder 8:30h. Um kurz nach neun war ich also schon wieder aus der Klinik raus. Ein kurzer Tag also.

Ansonsten regnet es immernoch viel zu viel. Und ich habe seit Tagen keinen blauen Himmel mehr gesehen. So langsam fühle ich mich wie in Hamburg. Nur irgendwie kälter. Das mit der Zentralheizung klappt in meinem Hostel mit ca 7m hohen Decken irgendwie nicht so. Da es aber nicht so viele Gäste gibt habe ich mir einfach noch die Fleecedecken von zwei anderen Betten geklaut und so lässt es sich einigermaßen aushalten. Ich hoffe der Sommer kommt bald. Dieses Herbstwetter hätte ich echt auch zu Hause haben können (und dort wahrscheinlich sogar schöner und sonniger).
Ich würde mich ja einfach den halben Tag in ein Cafe setzen und Kaffeetrinken, aber Kaffee ist ziemlich teuer, schmeckt nicht gut und Cafes gibts hier nicht so viele. Überhaupt ist alles teuer und ständig geschlossen. Für ein Shampoo (das günstigste aus dem Supermarkt) zahlt man zwischen 2,5€ und 4€, die billigste Schokolade kostet 1,70€ und schmeckt scheiße, Kaffee hab ich in winzigen Tassen noch nie günstiger als 1,80€ gesehen, normal aber eher um die 3€. Da ist das Preis-Leistungs-Verhältnis ja bei Starbucks noch besser. Das gibts hier allerdings nicht.

Freitag, 5. Oktober 2012

Auf und Ab

Ich hätte so gernen einen Kilometerzähler am Bein gehabt in den letzten Tagen. Spaßeshalber habe ich die Strecken, die ich in den letzten Tagen gelaufen bin mal bei Google Maps nachvollzogen und komme auf ca 32km in 3 Tagen (aber auch nur weil ich heute zweimal den Bus genommen habe). Und irgendwie ist Montevideo auch ein wenig hügelig. (Wer hätte das gedacht bei dem Namen...). Außerdem sehen Laufschuhe zum Rock eindeutig nicht so gut aus wie Ballerina auch wenn die ersteren das bessere Fußbett haben.
Resultat: meine Füße tun langsam ziemlich weh... 

[Ich frage mich langsam woran ich klinisch eine Ermüdungsfraktur erkennen würde. Nicht dass ich wirklich zu einem Arzt gehen würde. Ich kenn mich ja. Und hier schonmal erst recht nicht. Aber der rechte Fuß tut so unverhältnismäßig mehr weh als der Linke und das auch schon morgens beim Aufstehen...]

Lösungen für das Problem wären:
a) einfach nicht mehr so viel rumlaufen (fällt aus wegen ist nicht),
b) endlich das Bussystem verstehen (fällt aus wegen kompliziert...)

Mal ehrlich. Ich bin ja nicht völlig orientierungslos normalerweise und als gutes Großstadtkind kann ich so ziemlich jeden U-Bahnplan vernünftig lesen und hatte auch unter dem Times Square in New York keine großen Probleme mich zurecht zu finden. Ist ja auch eigentlich nicht so schwer. Auf dem Plan schauen wo man ist, wo man hin will und welche bunten Striche diese beiden Punkte miteinander verbinden. Immer den Ausschilderungen folgen. Einsteigen, Aussteigen, Fertig. 

Das wär ja auch alles kein Problem hier. Bahnen gibt es nicht, aber verschiedene Buslinien mit Zahlen und Endhaltestellen drauf. Was es allerdings nicht gibt ist ein Übersichtsplan. Oder ein Haltestellenaushang. Oder irgendwas weitergehendes an Information bezüglich Route, Abfahrtszeiten oder Tarifsystem. Die einzige Chance die man hat ist also sich geografisch so weit auszukennen, dass man weiss ob es Sinn macht in den einen oder anderen Bus einzusteigen weil er vermutlich in etwa dort vorbeifahren könnte wo man hin möchte. Leider zeigt mein Stadtplan die äußeren Stadtteile von Montevideo nicht. Das funktionierte selbst im deutlich chaotischeren Lima besser. Dort gab es zwar noch nicht mal Haltestellen, aber an jeder Kreuzung wurde aus der offenen Bustür die ungefähre Route herausgeschrien, sodass man einschätzen konnte ob einem das etwas hilft oder eher nicht. Busfahren in Montevideo funktioniert wahrscheinlich am ehesten nach dem Trial-and-Error-Prinzip...

Was es erstaunlicherweise aber gibt ist eine Internetseite mit Möglichkeiten der Adresseingabe von Start und Ziel. Wenn man die Hausnummer nicht weiss kann man auch einfach die nächste kreuzende Straße angeben. Nach einem Klick spuckt es einem dann die drei besten Busverbindungen aus mit exakten Abfahrts- und Ankuftszeiten, sortierbar nach Häufigkeit der jeweiligen Buslinie. Seit ich das weiss bin ich dafür an jeder Bushaltstelle ein Internetcafe zu eröffnen! Und ich vermisse schmerzlich die Internetflatrate meines deutschen Handys.

Erste Eindrücke von Montevideo.

Hier wohne ich aktuell


Mit Sonnenuntergang sieht praktisch alles schön aus ;)

Palacio Legilativo. Ist so wichtig dass er von einer
mindestens vierspurigen Straße komplett umgeben ist.
Wie man lebendig da rüberkommt ist mir schleierhaft.
Vielleicht mit Tunneln?


Mittwoch, 3. Oktober 2012

Der Geruch der Fremde

Gerüche fallen mir meistens dann auf wenn ich Bekanntes nach langer Zeit zum ersten Mal wieder rieche oder sie unangehnehm sind oder sie so penetrant sind, dass sie einem augenblicklich bewusst werden müssen.
Das alles ist nicht der Fall hier. Es riecht ziemlich nach dem Regen der gestern und heute gefallen ist, aber auch der riecht irgendwie nicht wie zu Hause. Wonach es noch riecht auf den Straßen kann ich bisher gar nicht so genau definieren. Eine Mischung aus jede Menge Unbekanntem zumindest. Wahrscheinlich hängt damit auch mein anfängliches Unwohlsein in ungewohnten Ländern zusammen, das sich auch jetzt gerade wieder bemerkbar macht. Aber ehrlich gesagt ist dass nach einer Nacht Jetlag ausschlafen und einem Tag bei Wind und gelegentlichem Nieselregen auch schon deutlich besser geworden als gestern abend noch (aber man fragt sich schon ein wenig warum man für 13º und Nieselregen eigentlich über 11000km weit weg geflogen ist).

Abgesehen vom nicht so freundlichen Wetter ist mein Beginn hier aber ganz nett. Ich kam problemlos und ohne Anstehen durch alle notwendigen Passkontrollen, mein Gepäck ist auf dem Flug nicht verloren gegangen und abgesehen von einer guten Stunde Verspätung beim Umsteigen in Sao Paolo war auch der Flug in Ordnung. Ich hab zwar nicht viel geschlafen in den knapp 24h Gesamtreisezeit, aber immerhin kenne ich jetzt zwei neue Filme, eine Folge Simpsons und einen Engländer, der zu seiner Verlobten nach Brasilien auswandert.
In Montevideo wurde ich abgeholt von Javier aus der oficina internacional der Medizinischen Fakultät, der mich bei meinem Hostel abgeliefert hat.

So weit so gut.
¡Hasta pronto!

P.S. Bilder hab ich leider noch keine.  Aber für die grobe Orientierung hier mal ne Karte:

Karte nicht von mir sondern von http://mappery.com/