Freitag, 12. Oktober 2012

Same same but different

Mein letztes PJ-Tertial hat dann tatsächlich doch nochmal angefangen.
[Damit bin ich in 15 Wochen tatsächlich fertig mit dem letzten Teil meines ewiglangen Studiums. Und danach werde ich hoffentlich nie wieder für einen Stundenlohn von 2,35€ arbeiten müssen.
Auf der anderen Seite gibts dann auch kein Villigst mehr, keine Auslandsförderung und keine Studentenvergünstigungen...]

Im Krankenhaus ist vieles ähnlich wie in Deutschland auch. Manches ist ja auch universell: Ins Krankenhaus kommen Menschen weil sie nicht ganz gesund sind, wenn sie ärztlicherseits als kritisch oder weiter untersuchungsbedürftig eingeschätzt werden, nimmt man sie als Patienten auf und sie liegen auf einer Station in einem Bett. Dort untersuchen Ärzte und ordnen Medikamente und weitere Untersuchungen an und entscheiden ob und wann Patienten wieder nach Hause gehen. So weit so gut.

Aber hier ist dann doch eben vieles anders. Von der Renovierungsbedürftigkeit des Gebäudes will ich gar nicht erst anfangen. Ich hab zwar die letzten Monate in einem Krankenhaus mitten in der Renovierung verbracht, aber das hier ist kein Vergleich.

Morgens fängt alles um 8h mit der Übergabe des einen Guardia-Teams an das nächste an. Guardia bezeichnet einen 24-Stunden-Dienst in der Ambulanz und im Kreissaal. Zeitangaben sind dabei irgendwie relativ. Ich war meistens zwischen 7:57 und 8:00h dort und war immer unter den Ersten. Dann geht man auf die eigene Station, in meinem Fall Maternidad 7. Nach einem mehr oder weniger langen Aufenthalt im schäbbigen Arztzimmer beginnt irgendwann die Visite. Es gibt einen Wagen auf dem die Krankenakten alle zusammengesammelt werden und dann schnappt sich jeder der 3 Residentes (Assistenzärzte) und 4 Internas (PJler) jeweils eine Akte guckt kurz durch und macht dann selbstständig Visite. Dann dokumentiert man und bespricht sich kurz mit dem Facharzt der Station.
Dabei findet hier alles auf Zetteln statt. Jede Untersuchung, Blutabnahme oder Konsil, die angefordert werden müssen auf einem A5-Formular beantragt werden. Wer also einen Ultraschall, einen Pap-Abstrich, ein CTG, einen Sozialarbeiter oder ein Blutbild braucht schreibt das auf das Formular zusammen mit Name und Ausweisnummer des Patienten. Das ganz muss von einem Arzt unterschrieben werden und dann von den PJlern in die entsprechenden Abteilungen des Krankenhauses gebracht werden. Ganz schön viel Aufwand. Bei uns läuft das über ein paar Klicks im Computer und maximal noch einen Anruf in der Abteilung.
Apropos, persönliche kabellose Telefone gibt es hier nicht. Auf unserer Station steht nur ein Telefon im Schwesternzimmer.
Wenn dann alle Patienten von irgendwem visitiert worden sind, werden noch die entsprechenden Entlassbriefe geschrieben. Auch das ist deutlich aufwendiger ohne Computer. Aus der Akte wird alles nochmal per Hand zusammengeschrieben. Damit man dann wenigstens zwei Ausfertigungen hat (eine für die Akte und eine für den Patienten), legt man ein Durchschreibepapier zwischen die beiden Zettel. Sowas habe ich gefühlt das letzte Mal vor 20 Jahren auf dem Schreibtisch meines Großvaters gesehen.

Noch nie gesehen habe ich hingegen ein Pinard-Rohr. (Bei uns sind die gelb und aus Plastik)
Damit kann man die fetalen Herztöne versuchen zu hören. Ich, die ich den Luxus ständig verfügbarer Ultraschallgeräte und CTGs gewöhnt bin, hatte bisher beim Hören nicht so viel Erfolg damit...



P.S. Wen es interssiert findet eine Erklärung des Titels hier


Optisch gibts heute den Strand von Pocitos. 
Da in der Nähe würde ich gerne wohnen.
Nicht nur wegen des Strands, vor allem das 
dazugehörige Viertel ist ganz schön und ziemlich sicher.

Pocitos Strand. Blick nach links.


 Pocitos Strand. Blick nach rechts.


 Das ist ein Chivito, eine lokale Spezialität.
Der besteht aus ungefähr allem was ungesund ist:
Fleisch, gebratener Speck, Spiegelei, gebratenen Zwiebeln, Mayonaisse,
Ketchup, ein wenig Alibigemüse und das ganze in einem Brötchen.
¡Que aproveche!

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