Mittwoch, 24. Oktober 2012

Gynäkologie und Geburtshilfe

Sträflicherweise hab ich in meinem gesamten Medizinstudium bisher noch keine einzige Geburt gesehen. Das liegt vor allem am Unterrichtsmodell der Uni Hamburg. Ob das an anderen Unis besser funktioniert weiss ich nicht. In Hamburg hat man jeweils vier Tage vormittags Blockpraktikum in der Gynäkologie und in der Geburtshilfe. Diese vier Vormittage kann man gegen Absprache auch gegen eine Nachtschicht eintauschen, was die meisten von uns gemacht haben, um überhaupt einmal die Gelegenheit zu bekommen einen Kreißsaal zu betreten. In der Nachtschicht, die ich hatte gab es lediglich einen Kaiserschnitt, bei dem ich assistieren durfte und eine weitere Schwangere, die aber in so einem frühen Stadium war, dass die diensthabende Ärztin mich um 23h nach Hause schickte weil sie meinte dass das vor dem frühen Morgen wohl nichts mehr würde.
In meiner Famulatur in einer gynäkologischen Praxis habe ich zwar jede Menge Babys im Bauch und auch außerhalb gesehen, aber der Teil dazwischen fehlte mir dann trotzdem. Eine diffuse Idee dieses Vorgangs hat man ja auch im Kopf. Vorher Baby im Bauch, später draußen. Muss also irgendwie rauskommen. Gibt ja auch ne Öffnung. Und Filme im Fernsehen zeigen immer dass das mit ganz viel Schreien seitens der werdenden Mutter abläuft und am Ende schreit dann ein kleines rosanes Etwas. 
Soweit die ungefähre Ahnung, die ich bis Montag mittag noch hatte. Montag durfte ich dann nachmittags mit meinem Stationsarzt, der Guardia hatte auf die Geburtsstation und in den Kreißsaal. Dort hatte ich dann gleich innerhalb von zweieinhalb Stunden zwei Geburten gesehen und bei einem Kaiserschnitt assistiert. Kein Wunder es handelt sich ja auch um die größte Geburtshilfliche Klinik des ganzen Landes. Zugegebenermaßen hat das Land gerade mal so viele Einwohner wie Berlin und davon wohnt knapp die Hälfte in Montevideo (ungefähr so viele wie in München). Laut der Facebook Seite des Krankenhauses wird jeder 6. Uruguayo im Hospital Pereira Rossell geboren und etwa jede Stunde kommt dort ein Kinde zur Welt. So siehts da übrigens aus:
Eingang Emergencias der Frauenklinik, geburtshilflicher Teil.
Geklaut von der Homepage http://www.pereirarossell.gub.uy

Zurück zu den Geburten. Logistisch ist das ganze etwas kompliziert. Alles bis kurz vor den tatsächlichen Geburtsvorgang findet auf der Station statt. Kurz bevor es dann soweit ist wird möglichst schnell die werdende Mutter auf eine Trage befördert, den Gang runter, um eine Ecke, nächsten Gang, durch zwei Türen und dann in einen drei Räume des Kreißsaals befördert. Währenddessen ist die passende Assistenzärztin (oder der Assistenzarzt, hab aber bisher hauptsächlich weibliche kennengelernt) schon vorgelaufen, hat sich "sterile" Schuhüberzieher, OP Haube, Handschuhe unklarer Sterilität und eine Schürze angezogen. Die Schwangere darf sich dann noch schnell von der Trage auf den Gebärstuhl hiefen und innerhalb weniger Minuten hat man ein kleines blaues Wesen in der Hand, was bestenfalls schon anfängt ein wenig zu schreien. Hinterher schwappt dann noch eine Welle von Fruchtwasser. Das weitere Prozedere erspare ich dann den mitlesenden Nichtmedizinern. Die Medis unter euch haben ja auch eine grobe bis spezifische Ahnung wie es weitergeht...
Leider habe ich wie bereits erwähnt keinen Vergleich wie das ganze in deutschen Kliniken abläuft. Das kann ich dafür beim Kaiserschnitt umso besser beurteilen. Die Details werden die Meisten langweilen und auf den Spaß mit der Sterilität werde ich lieber zu einem anderen Zeitpunkt nochmal eingehen. Nur so viel: Noch etwa zwei Stunden später bin ich mit einem fetten Grinsen im Gesicht rumgelaufen. Schließlich war es das erste Mal seit Ende Mai, dass ich in einem OP war und es geht wirklich nichts über rituelles Waschen der Unterarme, sterile Kittel und chirurgisches Instrumentieren. 
Silja + Operationssaal = glücklich. So einfach ist das.


Zum Gucken gibts heute eine kleine Kollektionen von Bildern 
rund um die Ramblas und den Río de la Plata






 Vielleicht doch lieber nicht hier baden?





Volleyballer am Strand von Pocitos
 

 

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